360-Grad-Video

360-Grad-Video schneiden und richtig exportieren

Vom Rohmaterial zum fertigen Rundumvideo: welche Schnittprogramme mit 360-Grad-Material umgehen, wie Reframing funktioniert und mit welchen Einstellungen der Export gelingt.

Inhalt dieser Seite
  1. Zwei Ziele, zwei Arbeitswege
  2. Schritt 1: Stitchen in der Hersteller-Software
  3. Schritt 2: Das passende Schnittprogramm
  4. Schnitt: Regeln für Rundumvideos
  5. Reframing: aus der Kugel ins flache Bild
  6. Schritt 3: Export-Einstellungen
  7. Prüfen vor der Veröffentlichung
  8. Häufige Fehler

Ein 360-Grad-Video entsteht in drei Schritten: Stitchen in der Software des Kameraherstellers, Schneiden in einem Programm mit 360-Grad-Funktionen und Exportieren mit den Metadaten, an denen Plattformen und Player das Rundumvideo erkennen. Wer aus dem Material lieber ein normales, flaches Video machen möchte, nutzt Reframing und legt im Schnitt fest, wohin die virtuelle Kamera schaut.

Wie Aufnahme, Kameraführung und Ton bei 360-Grad-Video funktionieren, beschreibt der Überblick 360-Grad-Video. Dieser Beitrag konzentriert sich auf die Arbeit am Rechner.

Zwei Ziele, zwei Arbeitswege

Vor dem Schnitt steht die Frage, was am Ende herauskommen soll:

Rundumvideo (360 Grad) Reframing (flaches Video)
Ergebnis Zuschauer schauen sich frei um normales Video mit festem Bildausschnitt
Format equirektangular, 2:1 16:9, 9:16 oder 1:1
Metadaten 360-Grad-Kennzeichnung nötig keine besonderen
Abspielen Plattformen mit 360-Grad-Player, VR-Brille überall
Typischer Einsatz Rundgänge, Konzerte, VR Sport, Reisen, Social Media

Beide Wege lassen sich mit demselben Material gehen. Viele Filmer nutzen eine 360-Grad-Kamera inzwischen vor allem für Reframing, weil sie bei der Aufnahme nicht auf den Bildausschnitt achten müssen.

Schritt 1: Stitchen in der Hersteller-Software

Die meisten kompakten Kameras speichern Rohdateien, in denen die Bilder der beiden Objektive als zwei Kreise nebeneinander liegen. Das Zusammensetzen übernimmt die App oder Desktop-Software des Herstellers. Dabei lassen sich meist schon einstellen:

  • Horizontausrichtung: gleicht schiefe Kamerahaltung aus.
  • Stabilisierung: viele Kameras zeichnen Bewegungsdaten auf, die die Software für eine ruhige Ansicht nutzt.
  • Nahtoptimierung: je nach Abstand der Motive zur Kamera.
  • Farbprofil: ein flaches Profil, wenn später eine Farbkorrektur folgt.

Exportieren Sie hier in hoher Qualität als Zwischenformat. Jeder weitere verlustbehaftete Export kostet Bildqualität, und bei 360-Grad-Video, dessen Auflösung sich auf die gesamte Kugel verteilt, fällt das besonders auf. Welche Kameras sich für Video eignen, zeigt der Überblick zu den 360-Grad-Kameras.

Schritt 2: Das passende Schnittprogramm

Programmart Beispiele Stärken Grenzen
Hersteller-Software Apps und Desktop-Programme der Kamerahersteller Stitching, Stabilisierung und Reframing in einem begrenzte Schnitt- und Tonfunktionen
Professionelle Schnittprogramme Adobe Premiere Pro, Final Cut Pro 360-Grad-Vorschau, Übergänge, Titel, Metadaten beim Export Lizenzkosten, leistungsfähiger Rechner nötig
Weitere Schnitt- und Farbprogramme DaVinci Resolve und andere starke Farbkorrektur, teils Werkzeuge für sphärisches Material 360-Funktionen je nach Version unterschiedlich
Plugins Reframing-Plugins der Kamerahersteller Reframing direkt in der Schnittsoftware an Programm und Version gebunden

Die genannten Programme sind Beispiele, keine Empfehlung. Der Funktionsumfang für 360-Grad-Material ändert sich mit den Versionen. Prüfen Sie vor der Anschaffung, ob Rundumvorschau, Übergänge, Titel und das Schreiben der Metadaten in Ihrer Version enthalten sind.

Was ein 360-fähiges Schnittprogramm können sollte

  • Rundumvorschau: Im Vorschaufenster mit der Maus durch die Szene blicken, statt nur das flache 2:1-Bild zu sehen.
  • Verzerrungsfreie Titel und Grafiken: Ein normaler Titel im equirektangularen Bild erscheint im Player gekrümmt oder an der falschen Stelle. 360-fähige Programme rechnen Grafiken in die Kugel um.
  • Passende Übergänge: Klassische Überblendungen funktionieren meist, Wischblenden und Zooms erzeugen in der Kugel dagegen Artefakte an der Bildkante.
  • Rotation der Kugel: Damit lässt sich festlegen, in welche Richtung Zuschauer zu Beginn jeder Einstellung blicken.
  • Metadaten beim Export: Das Video wird als sphärisch gekennzeichnet.

Rechner und Proxy-Workflow

360-Grad-Material fordert den Schnittrechner stärker als normales Video. Hohe Auflösungen und Datenraten bremsen die Vorschau, besonders bei Effekten und Farbkorrektur. Bewährt hat sich ein Proxy-Workflow: Das Programm erzeugt kleine Arbeitskopien, mit denen flüssig geschnitten wird. Beim Export greift es automatisch wieder auf das Originalmaterial zurück. Ausreichend schneller Speicher für die großen Dateien gehört ebenfalls zur Grundausstattung.

Schnitt: Regeln für Rundumvideos

  • Längere Einstellungen: Zuschauer brauchen nach jedem Schnitt einige Sekunden, um sich zu orientieren.
  • Blickrichtung über Schnitte halten: Liegt das Hauptmotiv vor dem Schnitt vorn, sollte es nach dem Schnitt ebenfalls vorn liegen. Sonst suchen Zuschauer in der VR-Brille hektisch herum.
  • Ruhige Bewegung: Abrupte Drehungen der Kugel oder schnelle Kamerafahrten können Unwohlsein auslösen.
  • Titel in Blickrichtung: Texte gehören dorthin, wo Zuschauer ohnehin hinschauen, und nicht zu nah an Zenit oder Nadir.
  • Nadir abdecken oder retuschieren: Ein Stativ oder die Hand mit dem Stick lässt sich im Video oft mit einer runden Abdeckung oder Retusche in der Hersteller-Software verbergen.

Reframing: aus der Kugel ins flache Bild

Beim Reframing legen Sie mit Keyframes fest, wohin eine virtuelle Kamera in der Kugel schaut und wie weit ihr Bildwinkel ist. Daraus entsteht ein normales Video mit Schwenks, Zooms und Perspektivwechseln.

  1. Zielformat wählen Etwa 16:9 für Videoplattformen oder 9:16 für Kurzvideos.
  2. Startblick setzen Am Anfang des Clips festlegen, wohin die virtuelle Kamera schaut.
  3. Keyframes setzen An jeder Stelle, an der sich der Blick ändern soll, Richtung und Bildwinkel neu einstellen. Die Software interpoliert dazwischen.
  4. Bewegungen glätten Übergänge zwischen Keyframes weich einstellen, damit Schwenks nicht ruckartig wirken.
  5. Bildwinkel im Blick behalten Sehr weite Bildwinkel erzeugen starke Verzerrung am Rand, sehr enge Bildwinkel zeigen die begrenzte Auflösung.

Weil beim Reframing nur ein Ausschnitt der Kugel zu sehen ist, sinkt die effektive Auflösung deutlich. Aus einem 5,7K-Rundumvideo entsteht kein scharfes 4K-Video in 16:9, sondern eher eine Qualität im Bereich von Full HD. Für Social Media reicht das meist, für große Bildschirme weniger.

Schritt 3: Export-Einstellungen

Einstellung Empfehlung für Rundumvideos
Seitenverhältnis genau 2:1
Auflösung so hoch wie Material und Plattform erlauben, zum Beispiel 3.840 × 1.920, 5.760 × 2.880 oder 7.680 × 3.840
Bildrate wie bei der Aufnahme, nicht umrechnen
Codec H.264 für hohe Kompatibilität, H.265 (HEVC) für hohe Auflösungen und kleinere Dateien
Datenrate deutlich höher als bei normalem Video gleicher Auflösung
Ton Stereo oder räumlicher Ton im passenden Format
Metadaten 360-Grad-Kennzeichnung aktivieren, bei Stereoskopie die Anordnung der Bilder angeben

Die Datenrate verdient besondere Aufmerksamkeit. Da sich jedes Detail auf die ganze Kugel verteilt, zeigen 360-Grad-Videos Kompressionsartefakte schneller als normale Videos. Plattformen komprimieren beim Hochladen ohnehin erneut. Eine hohe Datenrate beim Upload gibt ihnen das beste Ausgangsmaterial.

Metadaten nachträglich ergänzen

Hat das Schnittprogramm keine Option für 360-Grad-Metadaten, lassen sie sich mit einem separaten Werkzeug in die fertige Datei schreiben. Google stellt dafür ein quelloffenes Programm bereit, das als Spatial Media Metadata Injector bekannt ist. Es kennzeichnet ein Video als sphärisch und kann auch stereoskopische Anordnung und räumlichen Ton angeben. Die Videodaten selbst bleiben dabei unverändert.

Prüfen vor der Veröffentlichung

  1. Am Rechner Das exportierte Video in einem 360-Grad-fähigen Player öffnen und mit der Maus herumschauen.
  2. Auf dem Smartphone Durch Drehen des Geräts prüfen, ob die Ausrichtung stimmt.
  3. In der VR-Brille Bewegung, Schnitte und Titel auf Verträglichkeit testen. Welche Geräte sich dafür eignen, erklärt der Beitrag zur [VR-Brille für 360-Grad-Fotos und -Videos](/360-grad-kameras/vr-brille/).
  4. Nach dem Upload Auf der Plattform kontrollieren, ob das Video als Rundumvideo erkannt wird. Die Verarbeitung hoher Auflösungen kann dort eine Weile dauern.

Häufige Fehler

  • Mehrfaches Umkomprimieren: sichtbarer Qualitätsverlust, besonders in gleichmäßigen Flächen wie Himmel.
  • Falsches Seitenverhältnis: Das Video wird gestaucht oder nicht als 360 Grad erkannt.
  • Normale Titel im equirektangularen Bild: erscheinen im Player verbogen.
  • Fehlende Metadaten: Plattformen zeigen ein flaches, verzerrtes Rechteck.
  • Zu niedrige Datenrate: Blockartefakte in Bewegung und an feinen Strukturen.

Merke: Stitchen Sie in hoher Qualität, schneiden Sie mit Rundumvorschau und exportieren Sie mit hoher Datenrate und aktivierten Metadaten. Getestet wird nicht im flachen Bild, sondern im Player und, wenn möglich, in der VR-Brille.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Kann ich 360-Grad-Video mit jedem Schnittprogramm bearbeiten?
Technisch lässt sich ein equirektangulares Video in jedem Programm schneiden, denn es ist zunächst ein normales Video im Format 2:1. Ohne 360-Grad-Funktionen fehlen aber die Rundumvorschau, verzerrungsfreie Titel und Übergänge sowie das Schreiben der Metadaten. Für einfache Schnitte ohne Titel kann das genügen, die Metadaten lassen sich dann mit einem separaten Werkzeug ergänzen.
Welche Auflösung sollte ich exportieren?
Möglichst die Auflösung des gestitchten Materials, sofern die Zielplattform und das Abspielgerät sie unterstützen. Gängige Größen sind 3.840 mal 1.920, 5.760 mal 2.880 oder 7.680 mal 3.840 Bildpunkte. Wichtig ist das Seitenverhältnis 2:1. Die unterstützten Werte stehen in der Hilfe der jeweiligen Plattform.
Warum ruckelt mein 360-Grad-Video in der Vorschau?
360-Grad-Material hat sehr hohe Auflösungen und Datenraten, die Schnittrechner stark fordern. Abhilfe schaffen Proxy-Dateien in niedriger Auflösung für den Schnitt, eine reduzierte Vorschauqualität oder ein Zwischenformat, das sich leichter dekodieren lässt. Für den Export wird dann wieder das Originalmaterial verwendet.
Wie bekomme ich räumlichen Ton ins fertige Video?
Dafür muss der Ton in einem räumlichen Format wie Ambisonics vorliegen und beim Export als solcher gekennzeichnet werden. Nicht jede Plattform und nicht jedes Schnittprogramm unterstützt das. Wer unsicher ist, exportiert zuerst eine Version mit klassischem Stereoton und testet räumlichen Ton separat.