Virtuelle Touren entdecken

Virtuelle Klassenzimmer-Ausflüge: 360-Grad-Touren im Unterricht

Wie Lehrkräfte 360-Grad-Touren sinnvoll einsetzen: Szenarien, Arbeitsaufträge und Stundenablauf, dazu Hinweise zu Tablets, VR-Brillen und Datenschutz an Schulen.

Inhalt dieser Seite
  1. Wann sich ein virtueller Ausflug lohnt
  2. Einsatzszenarien im Unterricht
  3. Ideen nach Fächern
  4. Aufgabenformate, die funktionieren
  5. Ablauf einer Unterrichtsstunde
  6. Die passende Technik
  7. Datenschutz an Schulen
  8. Wo Lehrkräfte geeignete Touren finden
  9. Grenzen virtueller Ausflüge
  10. Kurzfazit

Virtuelle Klassenzimmer-Ausflüge nutzen 360-Grad-Touren, um mit einer Klasse Orte zu erkunden, die sie real nicht besuchen kann: ein Museum in einer anderen Stadt, ein Vulkangebiet, eine Burg oder ein Korallenriff. Sie funktionieren am besten mit einem klaren Auftrag, einer kurzen Erkundung und einer gemeinsamen Auswertung. Für den Einstieg genügen ein Beamer oder eine digitale Tafel, VR-Brillen sind eine Ergänzung, keine Voraussetzung. Einen allgemeinen Überblick über virtuelle Touren gibt der Bereich Virtuelle Touren entdecken.

Wann sich ein virtueller Ausflug lohnt

Eine echte Exkursion bleibt das stärkere Erlebnis. Virtuelle Touren haben aber eigene Stärken, die sie für den Unterricht interessant machen:

  • Erreichbarkeit: Orte in anderen Ländern, auf anderen Kontinenten oder unter Wasser werden zugänglich.
  • Kosten und Organisation: Kein Bus, keine Aufsicht unterwegs, keine Eintrittsgelder.
  • Teilhabe: Schülerinnen und Schüler, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mitreisen können, sind dabei.
  • Wiederholbarkeit: Ein Ort lässt sich vor, während und nach einer Unterrichtseinheit mehrmals besuchen.
  • Ruhe: Ohne Gedränge und Zeitdruck können Details in eigenem Tempo betrachtet werden.

Einsatzszenarien im Unterricht

Einstieg im Plenum

Zu Beginn einer Einheit zeigt die Lehrkraft eine Tour an Beamer oder digitaler Tafel. Die Klasse lenkt den Blick per Zuruf: nach links, nach oben, zum Eingang. Das weckt Fragen, an die der weitere Unterricht anknüpft.

Erkundung in Gruppen

Kleine Gruppen erkunden an Tablets denselben Ort mit unterschiedlichen Aufträgen. Eine Gruppe sucht Hinweise auf das Alter eines Gebäudes, eine andere beschreibt die Nutzung, eine dritte skizziert den Grundriss. Anschließend tragen die Gruppen ihre Ergebnisse zusammen.

Vorbereitung und Nachbereitung einer echten Exkursion

Wer eine Stadt, ein Museum oder eine Gedenkstätte besuchen wird, kann den Ort vorab virtuell erkunden. Die Klasse weiß dann, wohin sie will, und nutzt die Zeit vor Ort besser. Nach dem Besuch hilft die Tour, Erlebtes zu ordnen und Fragen zu klären, die erst später aufgekommen sind.

Ersatz, wenn ein Besuch nicht möglich ist

Manchmal fällt eine Exkursion aus oder der Ort ist grundsätzlich nicht zugänglich, etwa ein Kraftwerk, ein Tiefseeriff oder ein geschütztes Höhlensystem. Dann ist die virtuelle Tour die beste verfügbare Annäherung.

Ideen nach Fächern

Fach Typischer Ort Möglicher Auftrag
Erdkunde Vulkanlandschaft, Hafen, Stadtviertel Merkmale einer Landschaft benennen, Nutzungen kartieren
Geschichte Burg, Altstadt, historische Stätte Spuren verschiedener Epochen finden und zeitlich einordnen
Biologie Wald, Watt, Korallenriff Lebensräume beschreiben, Tier- und Pflanzenarten bestimmen
Kunst Museum, Kirche, Architektur ein Werk beschreiben, zwei Baustile vergleichen
Fremdsprachen Platz oder Straße im Zielland Wegbeschreibung formulieren, Schilder übersetzen
Physik und Technik Werkstatt, Anlage, Forschungseinrichtung Funktionsweise einer Anlage aus Beobachtungen ableiten
Religion und Ethik Sakralbauten verschiedener Religionen Ausstattung und Gestaltung vergleichen

Gute Ausgangspunkte für Kunst und Geschichte sind die Online-Angebote von Museen, die der Beitrag Museen virtuell besuchen vorstellt. Für Erdkunde und Fremdsprachen eignen sich Straßenansichten in Kartendiensten.

Aufgabenformate, die funktionieren

Ohne Auftrag wird ein virtueller Ausflug schnell zum kurzen Staunen. Diese Formate geben der Erkundung eine Richtung:

  • Suchauftrag: Fünf bestimmte Details finden und ihren Standort beschreiben.
  • Beobachtungsbogen: Was ist zu sehen, was zu hören, was fehlt? Eine Tabelle mit festen Spalten strukturiert die Notizen.
  • Vergleich: Zwei Orte, zwei Zeiten oder zwei Perspektiven gegenüberstellen.
  • Wegbeschreibung: Einen Rundweg durch die Tour planen und für eine andere Gruppe aufschreiben.
  • Perspektivwechsel: Einen Text aus Sicht einer Person schreiben, die an diesem Ort lebt oder arbeitet.
  • Quellenkritik: Ist das eine Fotografie oder eine Rekonstruktion? Wer hat die Tour erstellt, und mit welchem Ziel? Diese Frage schult Medienkompetenz.

Ablauf einer Unterrichtsstunde

  1. Tour vorher testen: Die Tour auf genau den Geräten ausprobieren, die im Unterricht zum Einsatz kommen, und im Schulnetz prüfen, ob sie flüssig lädt.
  2. Einstieg: Den Ort kurz verorten, etwa auf einer Karte, und eine Leitfrage stellen.
  3. Auftrag verteilen: Jede Gruppe erhält einen schriftlichen Auftrag mit klarer Zeitvorgabe.
  4. Erkunden: Die Gruppen arbeiten an Tablets oder abwechselnd mit der VR-Brille. Die Lehrkraft geht herum und hilft bei der Orientierung.
  5. Sichern: Ergebnisse auf Plakaten, im Heft oder an der Tafel festhalten.
  6. Auswerten: Gemeinsam besprechen, was die Tour zeigt und was sie nicht zeigen kann.

Die passende Technik

Gerät Stärken Grenzen
Beamer oder digitale Tafel ganze Klasse gleichzeitig, kein Zusatzgerät nötig nur eine Person steuert
Tablets Gruppenarbeit, Umsehen durch Drehen des Geräts Akkus laden, Geräte verwalten
Smartphone mit Kartonhalter günstig, einfacher Einstieg in VR Hygiene, Bildqualität abhängig vom Telefon
VR-Brille stärkster räumlicher Eindruck Anschaffung, Betreuung, Unwohlsein, Mindestalter

Wenn viele Geräte gleichzeitig hochauflösende Panoramen laden, wird das Schul-WLAN schnell zum Engpass. Ein Test vor der Stunde vermeidet Leerlauf.

Bei VR-Brillen gelten einige Regeln: Sitzungen kurz halten, im Sitzen erkunden lassen, Brillenträger berücksichtigen und Gesichtspolster zwischen den Nutzern reinigen. Wer sich unwohl fühlt, nimmt die Brille sofort ab. Achten Sie außerdem auf die Altersangaben der Hersteller. Welche Brillentypen es gibt und wie sich Unwohlsein vermeiden lässt, erklärt der Beitrag VR-Brille für 360-Grad-Fotos und -Videos.

Datenschutz an Schulen

Für Schulen gelten beim Einsatz digitaler Dienste strengere Maßstäbe als im privaten Gebrauch. Die genauen Vorgaben unterscheiden sich je nach Bundesland und Schulträger. Einige allgemeine Grundsätze helfen trotzdem bei der Auswahl:

  • Ohne Anmeldung bevorzugen: Viele 360-Grad-Touren auf Museums- und Stadtseiten funktionieren ohne Konto. Das ist für den Unterricht die einfachste Lösung.
  • Keine Schülerkonten ohne Prüfung: Wenn ein Dienst Konten für Schülerinnen und Schüler verlangt, sollte vorher geklärt sein, ob die Schule ihn nutzen darf.
  • Lehrkraftgerät am Beamer: Wird eine Tour nur zentral gezeigt, entstehen keine Daten auf Schülergeräten.
  • Ansprechpartner kennen: Schulleitung und die für die Schule zuständige Person für Datenschutz wissen, welche Dienste freigegeben sind.
  • Eigene Aufnahmen: Fotografieren Schülerinnen und Schüler selbst, gelten die Regeln zum Recht am eigenen Bild. Hinweise dazu gibt der Beitrag Recht am Bild bei 360-Grad-Fotos.

Diese Hinweise ersetzen keine Rechtsberatung und keine Abstimmung mit der Schule.

Wo Lehrkräfte geeignete Touren finden

  • Museen und Ausstellungshäuser: Viele stellen Rundgänge oder digitale Sammlungen kostenlos online. Plattformen wie Google Arts & Culture bündeln Angebote zahlreicher Häuser.
  • Kartendienste mit Straßenansichten: Sie eignen sich für Stadtviertel, Plätze und Landschaften in vielen Ländern. Mehr dazu steht im Beitrag Städte in 360 Grad entdecken.
  • Schutzgebiete und Naturorganisationen: Einige bieten Panoramen und Videos ihrer Gebiete an.
  • Bildungsserver und Medienzentren: Sie sammeln teilweise Hinweise auf geprüfte digitale Lernangebote.

Prüfen Sie vor dem Einsatz, ob die Tour aktuell erreichbar ist und ob sie ohne Werbung und ohne Anmeldung funktioniert.

Grenzen virtueller Ausflüge

Eine 360-Grad-Tour zeigt einen Ort aus festen Standpunkten zu einem bestimmten Zeitpunkt. Geräusche, Gerüche, Temperatur und Größenverhältnisse vermittelt sie nur eingeschränkt. Auch das gemeinsame Erlebnis einer Fahrt, die Begegnung mit Menschen vor Ort und das Gefühl, wirklich da gewesen zu sein, fehlen. Sprechen Sie diese Grenzen mit der Klasse an. Das gehört zur Auswertung und schärft den Blick für das Medium.

Kurzfazit

Virtuelle Klassenzimmer-Ausflüge sind eine wertvolle Ergänzung, wenn sie mit klarem Auftrag, kurzer Erkundung und gemeinsamer Auswertung geplant werden. Beamer und Tablets reichen für die meisten Einsätze aus, VR-Brillen setzen Akzente. Wer Angebote ohne Anmeldung wählt und den Einsatz mit der Schule abstimmt, hat auch beim Datenschutz die wichtigsten Punkte bedacht.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Ab welchem Alter können Kinder VR-Brillen nutzen?
Viele Hersteller geben für ihre VR-Brillen ein Mindestalter an, das je nach Gerät unterschiedlich ist. Maßgeblich sind die Angaben in der Bedienungsanleitung des jeweiligen Modells. Für jüngere Kinder ist das Erkunden am Tablet oder an der digitalen Tafel ohnehin die unkompliziertere Wahl.
Brauchen Schulen VR-Brillen für virtuelle Ausflüge?
Nein. Fast alle 360-Grad-Touren laufen im Browser und lassen sich am Beamer, an der digitalen Tafel oder auf Tablets erkunden. VR-Brillen verstärken den räumlichen Eindruck, sind aber teurer in der Anschaffung, aufwendiger in der Betreuung und eher für kurze Erkundungsphasen geeignet.
Wie lange sollte eine virtuelle Erkundung dauern?
Eine kurze, fokussierte Erkundungsphase mit konkretem Auftrag bringt meist mehr als eine lange, freie Tour. In der VR-Brille sollten Sitzungen besonders kurz bleiben, weil manchen Kindern und Jugendlichen dabei schwindelig oder übel wird. Die übrige Zeit gehört der Vorbereitung und der Auswertung.
Dürfen Schülerinnen und Schüler eigene 360-Grad-Touren vom Schulgebäude erstellen?
Als Projekt ist das sehr lehrreich. Sobald Personen erkennbar sind, braucht es deren Einwilligung, bei Minderjährigen in der Regel auch die der Eltern. Für eine Veröffentlichung sollte außerdem die Schulleitung zustimmen. Am einfachsten sind Aufnahmen, wenn die Räume leer sind.